Sonderdruck logo 36, Dr. F. Steidl

logo 36 • das CAMLOG Partner-Magazin • September 2015 PRODUKTE 13 Sie haben im Team schon vor vielen Jahren damit begonnen, Ihre Patienten nach diesem Konzept zu versorgen. Wie steil war die Lernkurve für diese Art der Versorgung? Dr. F. Steidl: Wie bei jedem neuen Therapieansatz gibt es chirurgische und prothetisch-zahntechnische Details, die man sich erst im Laufe vieler Behandlungen erarbeitet. Überraschend für uns war aber die Toleranz des VARIO SR und jetzt COMFOUR™ Systems gegenüber Fehlerquellen. Somit konnten wir alle überraschend auftretenden chirurgischen und prothetischen Schwierigkeiten im Team lösen. ZTM S. Schuldes, M.Sc.: Bei der Versorgung nach dem Maló-Konzept sollte man das Prinzip verstehen und auch genaue Kenntnis über die prothetischen Herausforderungen haben. Der präimplantologischen Planung kommt unter Berücksichtigung der chirurgischen und der prothetischen Anforderungen besonderer Stellenwert zu. Hierbei hat sich die computergestützte, dreidimensionale Planung im Sinne des Backward-Planning bewährt. Die Implantate können in der Planungssoftware im exakten 0°-, 17°- oder 30°-Winkel zueinander positioniert werden. Aus prothetischem Blickwinkel ist es besonders wichtig die Implantate so zu platzieren, dass die Schraubenkanäle der verschraubten Sofortversorgung, wichtiger aber noch, die des späteren definitiven Zahnersatzes, weder die Ästhetik noch die Funktion beeinträchtigen. Auf dieser Basis stellen wir dann eine CAD/CAM gefertigte Brücke aus einem Polymer her, welche direkt nach der vollgeführten Insertion der Implantate mit dem CAMLOG® Guide System spannungsfrei im Mund der Patienten verklebt wird. Dieses Herangehen ist aus unserer Sicht mit deutlich weniger Kompromissen behaftet als die klassische Vorgehensweise bei der die inserierten Implantate intraoperativ abgeformt werden und im Anschluss ein Provisorium aus Autopolymerisat hergestellt wird. Wie häu g ging etwas schief? Dr. F. Steidl: Die Implantatverlustrate während der Einheilphase mit VARIO SR unseres Patientengutes unterscheidet sich nicht signifikant von der anderer implantologischer Behandlungsmodalitäten. Die Erfolgsrate werden wir mit dem COMFOUR™ System ganz sicher halten können. Wobei uns COMFOUR™ noch mehr Versorgungsmöglichkeiten bietet. Somit sehen wir in der provisorischen Sofortversorgung Full-Guided nach 3DPlanung kein erhöhtes Risiko. Eine knifflige und wichtige Frage ist die reproduzierbare Fixation der Bohrschablonen intraoral wenn keine Hilfsimplantate verwendet werden. Hier hatten wir eine erhebliche Lernkurve von assistenzfixiert über Osteosyntheseschrauben bis zu Mehrschablonen-OPs. ZTM S. Schuldes, M.Sc.: Wie schon gesagt, die sorgfältige Planung im Vorfeld der Implantation ist von hoher Wichtigkeit. Des Weiteren kann eine Fraktur der Sofortversorgung zu Komplikationen während der Osseointegration führen. Vor diesem Hintergrund sollten Werkstoffe mit einer hohen Bruchzähigkeit zum Einsatz kommen. Nur so können Misserfolge auf ein Minimum reduziert werden. Sie haben sich bei der Entwicklung der neuen gewinkelten Stegaufbauten des COMFOUR™ Systems eingebracht und haben auch schon dieerstenPatientendamitversorgt. Beschreiben Sie Ihre Eindrücke aus dem chirurgischen und zahntechnischen Blickwinkel bei der Umsetzung und worin begründet sich der Unterschied zu VARIO SR? Dr. F. Steidl: Aus chirurgisch-implantologischer Sicht hat sich im Behandlungsablauf nichts geändert. Das Einsetzen der gewinkelten Stegaufbauten macht Spaß. Das liegt an dem Handle, das die sichere Übertragung der Aufbauten in den Mund gewährleistet und die korrekt platzierte Ausrichtung erleichtert. Durch die Flexibilität des Handles und mithilfe durchdachter Schraubendreher können die Abutmentschrauben problemlos eingeschraubt werden. ZTM S. Schuldes, M.Sc.: Die 17° und 30° abgewinkelte Stegaufbauten in den Varianten A und B in verschiedenen Gingivahöhen bieten einen großen Spielraum bei der Versorgung. Alle Komponenten des COMFOUR™ Systems sind grazil gestaltet und niedrig gehalten. Das macht die prothetische Versorgung deutlich einfacher. Zur besseren Weichgewebeanlagerung macht sich das neue Design der Abutments ohne „Knie“ positiv bemerkbar. Mit den Abdruckpfosten und den Titankappen mit Rotationssicherung sind auch okklusal verschraubte Einzelzahn- und Teleskopversorgungen auf Abutmentniveau möglich. Falls die Insertion der Implantate nicht vollgeführt geschieht, sind die neuen Ausrichthilfen für die Feinjustierung der Rotationsnocken während der Implantation ein ausgezeichnetes Hilfsmittel. Wird sich diese Therapieform ächendeckend in den Praxen etablieren? Dr. F. Steidl: Flächendeckend sicher nicht. Die abgewinkelte Implantation, ggf. noch mit Sofortversorgung, ist chirurgisch, prothetisch und zahntechnisch anspruchsvoll. Daher denke ich, dass implantologische Schwerpunktpraxen bzw. -kliniken zumindest den chirurgischen Part erfüllen sollten. Für den Allgemeinpraktiker stellt das COMFOUR™ System eine interessante Möglichkeit dar, wenn er prothetisch eingebunden ist. Einen zahnlosen Patient in einer Sitzung ohne mehrfache Abdrucknahme bzw. Einprobe nicht nur dental, sondern oft auch psychosozial rehabilitieren zu können ist eine begeisternde Therapiemethode. Vielen Dank für das Gespräch. [1] Ledermann, P., D.: Über 20-jährige Erfahrung mit der sofortigen funktionellen Belastung von Implantatstegen in der Regio interforaminalis.Z Zahnärztl Implantol 12, 123–136 (1996). [2] Malo P, de Araujo Nobre M, Lopes A, Moss SM, Molina GJ. A longitudinal study of the survival of Allon-4 implants in the mandible with up to 10 years of follow-up. J Am Dent Assoc 2011;142:310–320. [3] Schley J-S, Terheyden H, Wolfart S, Implantatprothetische Versorgung des zahnlosen Oberkiefers S3Leitlinie AWMF-Registernr. 083–010: DZZ 08/2013. [4] Crespi R, Vinci R, Capparé P, Romanos GE, Gherlone E. A clinical study of edentulous patients rehabilitated according to the "all on four" immediate function protocol. Int J Oral Maxillofac Implants. 2012 MarApr;27(2):428-34. LITERATUR

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