logo Camlog Partnermagazin April 2026 #53
„Wir konzentrieren uns wie Konfuzius auf das Gute.“
Nichts Böses sehen, nichts Böses hören, nichts Böses sagen. Mizaru Kikazaru Iwazaru Das ist die Botschaft der drei weisen Affen. Sie symbolisieren Achtsamkeit, das Meiden von Schlechtem und das Streben nach Tugend. Sie stehen dafür, sich auf das Gute zu konzentrieren, damit das Leben in Harmonie gelingt. 2025 war für Camlog wieder einmal das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte. Wieso greife ich also ausgerechnet dieses Bild auf? 2025 war für uns auch ein unglaublich herausforderndes Jahr. Ein Jahr, das uns mehr als einmal die Stirn in Falten legte und wir von den Sorgen nichts mehr hören und sehen wollten. Ein Beispiel: Mit unserem neuen CERALOG® Keramikimplantat sind wir im vergangenen Jahr einen steinigen Weg gegangen. Von einem gut vorbereiteten Limited Market Release im Jahr 2024 mit hervorragendem Kunden-Feedback starteten wir mit einer groß angelegten Roadshow voller Euphorie in das Jahr 2025. Camlog war wieder einmal das Gesprächsthema Nummer eins. Die Nachfrage nach CERALOG schnellte in die Höhe – bis wir „achtsam, um das Meiden von Schlechtem“ für unsere Kunden und ihre Patientinnen und Patienten die Reißleine zogen und den Verkauf stoppten. In diesen Momenten hilft nur, Ethik und Moral hochzuhalten, besonnen zu reagieren und den Fokus nicht zu verlieren. Das haben wir getan und nach einigen Monaten der Durststrecke, die wir gemeinsam mit Ihnen gehen mussten, blicken wir heute wieder voller Zuversicht nach vorne. CERALOG is back! Nebenbei gibt es auch noch andere Projekte, an denen wir uns hochziehen konnten, um weiter Geschichte zu schreiben. Die Investitionen an unserem Standort in Wimsheim schritten voran – sowohl in den Maschinenpark als auch in Technologie- und Servicebereiche. Wir haben das Geschäftsfeld der Point-of-Care-Diagnostik (Vitamin D und Ferritin) betreten, die CAMLOG® PROGRESSIVE-LINE Promote® Implantate (mit 1.4 mm maschiniertem Implantathals) eingeführt und unsere Expansion im Bereich der Biomaterialien vorangetrieben. Zudem durften wir nach Jahren der disziplinierten Vorarbeit endlich die EMAS-Validierung für vorbildliches Nachhaltigkeitsmanagement in Empfang nehmen. Summa summarum stehen wir mehr als gestärkt da. Wir sehen nichts Böses, wir hören nichts Böses und wir sagen nichts Böses. Wir konzentrieren uns wie Konfuzius auf das Gute. Wir sehen die Zukunft weiter rosig, nicht verblümt. Und vor allem sind wir wahnsinnig stolz darauf, mit Ihnen unseren Weg konsequent weitergehen zu dürfen. Mit dieser logo-Ausgabe werben wir weiterhin um Ihr Vertrauen. Nehmen Sie sich etwas Zeit und lassen Sie sich inspirieren. Vertrauen Sie weiterhin Ihren persönlichen Stärken, Ihrem Team und Ihren bewährten Partnern. Ihr Martin Lugert Geschäftsführer 3 | Editorial logo 53 | das Camlog Partnermagazin
56 44 42 Titelstory 6 Die PROGRESSIVE-LINE Kampagne startet mit voller Kraft Wissenschaft 10 Hat das Material der Suprakonstruktion Einfluss auf den Implantaterhalt? 16 Klinische Empfehlungen zu Sofortkonzepten Ein Konsensusbericht der Oral Reconstruction Foundation Praxisfall 18 Sofortversorgungskonzept Risiko oder vorhersagbar planbar? 24 Sofortimplantation mit Sofortversorgung im volldigitalen Workflow Produkte 32 CAMLOG® PROGRESSIVE-LINE Promote® Osseointegration trifft Weichgewebeattachment 33 Titanbasen CAD/CAM mit zusätzlichen Gingivahöhen 34 Weniger Schritte, weniger Sitzungen, reduzierte Behandlungszeit 35 MinerOss® A + HYA: „Sticky-Bone“ aus der Verpackung 36 Hype Hyaluronsäure 38 Camlog launcht den „Bone Scraper“. Ein Instrument für die intraorale Entnahme autologer Knochenspäne 39 dev-os System – die Komplettlösung zur Membranstabilisierung und Knochenfixierung 40 Smarte Diagnostik per App Schnelltests für Vitamin D und Ferritin
40 6 28PRO 42 Ein Jahr 28PRO Zeit für einen Schulterblick und neue Perspektiven Aktuelles 44 Maschinierte versus raue Implantathals- Geometrien und deren Implantationstiefe Anwendung unter parodontologischen Aspekten 48 VOI-Website jetzt im neuen Design und vielfältigen Perspektiven 50 Camlog startet in der Schweiz neu durch b.aware 51 Camlog ist jetzt EMAS-validiert Neuer Meilenstein für unser Umweltengagement 52 Mit Haltung zum Erfolg Altatec gewinnt den Lean & Green Award 2025 Veranstaltungen 54 Implantologie meets Parodontologie 56 Wissenschaft und Netzwerken auf Mallorca 58 Online-Fortbildung 2026 live und on demand
Hallo PROGRESSIVE-LINE. Hallo Zukunft. Entdecken Sie die Zukunft sofort: www.camlog.de/hallo-zukunft Die PROGRESSIVE-LINE Kampagne startet mit voller Kraft » Im Februar 2026 fiel der Startschuss für eine große Kampagne aus dem Hause Camlog und sie beginnt mit einem echten Knall. Die PROGRESSIVE-LINE rückt ins Rampenlicht, begleitet von einem eindrucksvollen Kampagnenfilm, der den Auftakt zu einer kommunikativen Offensive markiert und die zentrale Botschaft in den Fokus stellt: Die Zukunft beginnt sofort. Zugleich begleitet die Kampagne die Markteinführung des neuen CAMLOG® PROGRESSIVE-LINE Promote® Implantats. Die PROGRESSIVE-LINE: Cleveres Implantatdesign Im Zentrum der Kampagne steht eine Implantatlinie, die die drei Produktlinien vereint: CAMLOG®, CONELOG® und CERALOG®. Ein Portfolio, das für Vielseitigkeit, Leistungsstärke und Anwenderfreundlichkeit steht. Die PROGRESSIVE-LINE zeigt sich damit als klares Statement für Zukunftsorientierung, Präzision und Anwenderfreundlichkeit. 6 | Titelstory logo 53 | das Camlog Partnermagazin
Von der Idee zur Realität Die Grundidee zur Kampagne entstand nicht etwa in einer externen Agentur, sondern direkt im Camlog Marketing- Team. Gemeinsam entwickelte das Team eine erste Skizze für das Storyboard des Films. Schritt für Schritt nahm die Geschichte Form an – zunächst auf Papier, dann vor der Kamera. Was als Zeichnung begann, wurde rasch zur Realität: Schauspieler wurden engagiert, Drehorte gebucht, Abläufe geplant. Ab diesem Moment ging alles schnell. Innerhalb weniger intensiver Drehtage entstand das Rohmaterial, das anschließend in mehreren Tagen Schnittarbeit zu einem dynamischen, emotionalen und modernen Kampagnenfilm veredelt wurde. Und genau hier kommt die PROGRESSIVE-LINE ins Spiel. Jedes Implantat der PROGRESSIVE-LINE erhält im Film seinen eigenen Moment: eine Alltagssituation, ein kurzer Augenblick der Herausforderung und dann der ikonische Wurf. Implantologe Max wirft das passende Implantat und im selben Moment wechselt die Szene in die Zukunft. Der Zustand ist gelöst, die Situation entspannt, die Praxis läuft weiter. Emotional, witzig und überraschend. Ein besonderes Highlight: Max überreicht seinem Kollegen Andi in der Praxis das neue CAMLOG PROGRESSIVE-LINE Promote Implantat – ein symbolischer Moment, der zeigt, wie die PROGRESSIVE-LINE Teamwork, Sicherheit und Zukunftsorientierung verbindet. 7 | Titelstory logo 53 | das Camlog Partnermagazin
[1] Conserva E. Initial stability after placement of a new buttress threaded implant. A case series study. implants. 2019(3):24-28. [2] Ruppin J. One-year clinical experience with Progressive-Line implants. EDI journal. 2020(4):54-63. Ein 360-Grad-Auftritt mit großer Reichweite Der Film ist jedoch nur das Herzstück einer umfassenden 360-Grad-Kampagne. Bereits seit November 2025 sorgen erste Teaser, darunter der Trailer des Kampagnenfilms und ein Produkt-Teaser auf Social Media, für Neugier und Gesprächsstoff. Auch beim DGI-Kongress 2025 machte die Kampagne schon auf sich aufmerksam: Die Messewand im PROGRESSIVE-LINE Kampagnenstil setzte ein starkes visuelles Zeichen. Seit dem 02.02.2026 läuft die Kampagne nun offiziell auf allen Kanälen: Social Media Posts, Anzeigen in führenden Fachmagazinen, Mailings und weitere Maßnahmen sorgen für eine breite Sichtbarkeit. Ergänzt wird das Ganze durch digitale Werbung auf Instagram, Facebook und LinkedIn. Der Kampagnenfilm ist auf der offiziellen Kampagnen- Website eingebettet und jederzeit abrufbar: www.camlog.de/hallo-zukunft Dort finden Interessierte auch alle Vorteile der PROGRESSIVE-LINE übersichtlich dargestellt, darunter: . Durchdachte Außengeometrie: Das Gewinde bis zum Apex schafft ideale Voraussetzungen für eine hohe Primärstabilität [1,2] . Klinische Evidenz: PROGRESSIVE-LINE ist umfassend wissenschaftlich dokumentiert und bietet eine Reihe an Studien, Whitepapern und klinischen Daten . Das CAMLOG PROGRESSIVE-LINE Promote Implantat Mit einem maschinierten Implantathals von 1.4 mm für anspruchsvolle Weichgewebesituationen . Übersichtliches Instrumentarium: Reibungsloser Einstieg mit dem PROGRESSIVE-LINE Flex Tray 8 | Titelstory logo 53 | das Camlog Partnermagazin
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» Dieser Fragestellung widmete sich Prof. Dr. Sigmar Schnutenhaus MSc., MSc. und initiierte eine explorative Studie. Da die Bewertung des Langzeiterfolgs nicht nur vom Überleben der Implantate, sondern auch von biologischen und technischen Faktoren abhängt, erkundete er in der monozentrischen, randomisierten, kontrollierten Studie, ob das Kronenmaterial den marginalen Knochenumbau sowie das Auftreten technischer Komplikationen beeinflusst. Über einen Zeitraum von drei Jahren erhoben er und sein Team Daten bei Einzelzahnimplantaten im Seitenzahnbereich, die mit Hybridabutmentkronen – aus Lithiumdisilikat (LS2) oder Hybridkeramik mit polymerem Anteil (HC) im CAD/ CAM-Verfahren gefertigt – auf iSy Implantaten (Camlog/Wimsheim) versorgt wurden. Sechzig Patienten wurden nach definierten Kriterien eingeschlossen, denen randomisiert LS2- oder HC-Kronen zugewiesen wurden. Prof. Dr. Sigmar Schnutenhaus Implantaterfolg – Einflüsse auf die Gewebestabilität Kann der Erfolg einer Implantatversorgung ausschließlich auf die Osseointegration reduziert werden? „Nein“, meint der Autor, „denn entscheidende Kriterien für den Langzeiterfolg einer Implantattherapie sind eine langfristige Funktionalität, Stabilität ebenso wie die Komplikationsfreiheit der prothetischen Versorgung.“ Für implantatgetragene Einzelkronen gibt die Literatur eine 10-Jahres-Überlebensrate von 95,2 % an [1]. Laut Definition der Pisa Consensus Conference (2007) gilt neben klinischen Parametern wie Schmerzfreiheit, Stabilität und Abwesenheit von Exsudat, ein röntgenologisch festgestellter Knochenabbau von weniger als 2 mm als entscheidendes Kriterium [2]. Neben nicht beeinflussbaren Risikofaktoren wie genetische Disposition oder anatomische Gegebenheiten haben auch verhaltensabhängige Gewohnheiten, wie Tabakkonsum, Einfluss auf den marginalen Knochenabbau (MBL) [3]. Hat das Material der Suprakonstruktion Einfluss auf den Implantaterhalt? Abb. 1 und 2: Messung der marginalen Knochenhöhe am Implantathals einer Prämolarenversorgung mesial (A) und distal (B) zwischen der Titanklebebasis und dem Alveolarkamm (gelbe Linien). Auch eine bestehende oder vorausgegangene Parodontitis erhöht das Risiko. In diesen Fällen sollte vor allem das Einsetzen von rauen prothetischen Oberflächenstrukturen vermieden werden [4]. Regelmäßige professionelle Zahnreinigungen sind Schutzmaßnahmen zur Verringerung periimplantärer Erkrankungen, ebenso wie das Vermeiden wiederholter Abutmentwechsel [5,6]. Das Kronendesign und die Befestigungsart der Suprakonstruktion (zementiert oder direkt verschraubt) nehmen Einfluss auf die periimplantäre Gewebestabilität. Beide Versorgungsarten sind nicht risikofrei, wobei sich die Periimplantitis als die gravierendste biologische Komplikation darstellt [7,8]. Verschraubte Versorgungen weisen geringere BOP-Werte und Plaqueindizes auf. Damit wird das Entzündungsrisiko im Vergleich zu zementierten Lösungen, wo in der Mucosa verbleibende Zementreste entzündliche Reaktionen auslösen könnten, reduziert [7–9]. 10 | Wissenschaft logo 53 | das Camlog Partnermagazin
Das Kronenmaterial – Minimierung biologischer Komplikationen Hybridabutmentkronen – extraoral chemisch mit einer Titanklebebasis verbunden – sind eine vielversprechende Möglichkeit zur Minimierung biologischer Komplikationen [10]. Kann die Wahl des Kronenmaterials mit unterschiedlichem Elastizitätsmodul den biologischen und technischen Langzeiterfolg implantatgetragener Einzelzahnversorgungen beeinflussen? Hybridkeramikkronen (HC) mit polymerem Anteil sollen aufgrund ihrer dämpfenden Materialeigenschaften zu einer geringeren Lastübertragung auf das Implantat und den umgebenden Knochen führen. Daraus würde eine reduzierte Stresskonzentration resultieren, die sich klinisch in einem geringeren marginalen Knochenabbau und weniger technischer Komplikationen im Vergleich zu Lithiumdisilikatkronen äußert. Methode In die monozentrische, randomisierte, kontrollierte klinische Studie mit verblindeter Datenauswertung wurden 60 Patienten eingeschlossen – mit schriftlicher Einwilligung zur Studienteilnahme. Alle chirurgischen und prothetischen Maßnahmen wurden von einem erfahrenen Behandler nach erfolgter Diagnostik und 3D-Implantatplanung durchgeführt. Jeweils ein Implantat (iSy / CAMLOG Vertriebs GmbH) wurde gemäß dem chirurgischen Protokoll des Herstellers inseriert und heilte – dem iSy Implantat Konzept entsprechend – transgingival ein. Die Abformung für die prothetische Versorgung erfolgte abhängig von der Knochenstruktur nach acht Wochen (kompakter Knochen) beziehungsweise zwölf Wochen (spongiöser Knochen) mittels einer Multifunktionskappe, die ohne Abutmentwechsel auf die Implantatbasis gesteckt wurde. Nach erfolgter Modellherstellung wurden sowohl die Abformung als auch das Modell gescannt und als STL-Datensatz archiviert. Die Hybridabutmentkronen wurden im CAD/CAM-Verfahren zentral durch die Zahntechniker im praxiseigenen Dentallabor gefertigt, um auch hier eine standardisierte Herstellung mit einheitlicher Qualität sicherzustellen. Die Materialzuteilung erfolgte gemäß Randomisierung. Zur Bewertung des marginalen Knochenumbaus wurden standardisierte digitale intraorale Einzelzahn-Röntgenaufnahmen zu zwei definierten Zeitpunkten angefertigt. Die Aufnahme eine Woche nach der Eingliederung diente als Baseline. Die zweite Röntgenaufnahme erfolgte drei Jahre nach der Implantation. Neben der Auswertung der radiologischen Aufnahmen, die mithilfe der Bildanalyse-Software ImageJ (macOS Monterey 12.7.4) erfolgte, wurden zusätzlich im gesamten Beobachtungszeitraum alle technischen Komplikationen systematisch erfasst und dokumentiert. Da keine belastbaren Vorstudien zu vergleichbaren Versorgungsformen, insbesondere des gewählten Kronenmaterials in Verbindung mit Hybridabutments vorliegen, wurde die Studie exploratorisch-deskriptiv angelegt. Von den 60 eingeschlossenen Patienten konnten 58 (aufgrund von Frühverlusten) in die finale Auswertung eingeschlossen werden. Ergebnisse Im Beobachtungszeitraum von 36 Monaten nach Eingliederung der Hybridabutmentkronen wurde kein Implantatverlust verzeichnet, was einer Überlebensrate von 100 % entspricht. Nach drei Jahren zeigten 74,1 % (n = 43) der Implantate mesial sowie 63,8 % (n = 37) distal eine Knochenapposition. Ein marginaler Knochenabbau wurde mesial bei 25,9 % und distal bei 36,2 % der Implantate festgestellt. Der mittlere Knochenumbau betrug mesial 0.13 mm (Bereich: -4.56 bis 1.65 mm; SD: 0.88) und distal 0.12 mm (Bereich: -3.95 bis 1.73 mm; SD: 0.78) (Abb. 3 und 4). Es zeigte sich, dass das Geschlecht einen signifikanten Einfluss auf den Knochenumbau hatte: Bei weiblichen Patientinnen wurde mesial ein mittlerer Knochenzuwachs von 0.31 mm (95 %-KI: 0.12–0.48) und bei männlichen Patienten ein Knochenabbau von -0.17 mm (95 %-KI: -0.60–0.27) beobachtet (p = 0.024). Distal zeigte sich ein ähnlicher Trend, allerdings ohne statistische Signifikanz (p = 0.674). Das Kronenmaterial (LS2; HC), die Kieferlage (Ober-, Unterkiefer), die Höhe der Titanbasen (0.8 mm; 2.0 mm) sowie Implantatlänge oder -durchmesser zeigten keinen statistisch signifikanten Einfluss auf den Knochenumbau. Abb. 4 Knochenumbau distal Kronenmaterial Kronenmaterial Abb. 3 Knochenumbau mesial 11 | Wissenschaft logo 53 | das Camlog Partnermagazin
Baseline 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre Abb. 5: Klinische und radiologische Dokumentation einer LS2-Hybridabutmentkronen zu Beginn der Studie, nach einem, drei und fünf Jahren. Diskussion Im Beobachtungszeitraum von 36 Monaten trat bei den 58 Patienten kein Implantatverlust auf. Damit konnte die primäre Zielgröße, der Einfluss des Kronenmaterials der Hybridabutmentkronen auf den Implantaterhalt, adressiert werden. Die Resultate zeigten, dass das Material der Suprakonstruktionen im ersten bis zum dritten Jahr das Implantatüberleben beziehungsweise den Implantaterfolg nicht beeinflusst, dies findet sich auch in zahlreichen vergleichbaren Studien wieder [11]. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung zeigten sich Veränderungen am implantattragenden Kieferknochen. Der mittlere Knochenumbau betrug mesial 0.15 mm bei LS2 und 0.08 mm bei HC sowie distal 0.13 mm (LS2) und 0.12 mm (HC). Bei männlichen Teilnehmern zeigte sich ein signifikanter Knochenverlust im mesialen Bereich, während distal keine Unterschiede festgestellt wurden. Bei 74,1 % der Implantate wurde ein Knochenzuwachs beobachtet. Dies könnte auf die Kombination einer subkrestalen Insertion mit Platform-Switching sowie die chirurgische Technik zur Defektregeneration zurückzuführen sein [12]. In wenigen Fällen wurde eine marginale Resorption festgestellt. Insgesamt waren die gemessenen Umbauprozesse geringer als in vielen Vergleichsstudien, die typischerweise einen Knochenabbau dokumentieren [13]. Die in dieser Studie dokumentierte geringe Knochenresorption unterstützt die Hypothese, dass eine atraumatische Implantatbettaufbereitung – möglicherweise durch die Verwendung der im System beinhalteten Einpatientenbohrern – die Knochenstruktur schont. Die postoperative Pflege trägt maßgeblich zum Langzeiterfolg der Implantatrekonstruktion bei. In der vorliegenden Arbeit wurde die Nachsorgefrequenz nicht dokumentiert. Jedoch wurde bei den Einschlusskriterien auf eine gute Mundhygiene und Compliance der Patienten geachtet. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie bezüglich des Kronenmaterials decken sich mit den Daten aus einem systematischen Review von Pjetursson et al. (2001) [14]. Die klinische Performance monolithischer Keramiken im Vergleich zu verblendeten Versorgungen wird in weiteren Studien belegt. Monolithische Kronen weisen geringere Frakturraten auf und sind in Bezug auf Komplikationen insgesamt vorteilhafter gegenüber keramisch verblendeten Kronen [15,16]. LS2 wird die Eignung als vollanatomisches Restaurationsmaterial mit hoher Festigkeit und ästhetischem Potenzial zugesprochen [17]. Fazit Diese Untersuchung bestätigt die klinische Zuverlässigkeit von LS2-basierten Hybridabutmentkronen auf Implantaten im Seitenzahnbereich. Die Überlebensraten sowie Komplikationsfreiheit und keinerlei Re-Interventionen über die dreijährige Beobachtungsdauer sprechen für den Einsatz dieses Materials. Hingegen zeigte das HC-Material eine erhöhte Komplikationsanfälligkeit, was mit bestehenden Daten zur Performance polymerbasierter Materialien übereinstimmt. Weitere Langzeitdaten und randomisierte Studien mit größeren Fallzahlen sind erforderlich, um die hier gezeigten Unterschiede zu bestätigen und differenziert bewerten zu können. Die Ergebnisse stützen die Empfehlung, dass Hybrid- abutmentkronen zuverlässige klinische Versorgungsmöglichkeiten für die Implantatkrone darstellen. Sie zeigen über 12 | Wissenschaft logo 53 | das Camlog Partnermagazin
Join the conversation. voices-of-implantology.com [1] Jung, R. E.; Zembic, A.; Pjetursson, B. E.; Zwahlen, M.; Thoma, D. S., Systematic review of the survival rate and the incidence of biological, technical, and aesthetic complications of single crowns on implants reported in longitudinal studies with a mean follow-up of 5 years. Clin Oral Implants Res 2012, 23 Suppl 6, 2-21. [2] Misch, C. E.; Perel, M. L.; Wang, H. L.; Sammartino, G.; Galindo-Moreno, P.; Trisi, P.; Steigmann, M.; Rebaudi, A.; Palti, A.; Pikos, M. A.; Schwartz-Arad, D.; Choukroun, J.; Gutierrez-Perez, J. L.; Marenzi, G.; Valavanis, D. K., Implant success, survival, and failure: the International Congress of Oral Implantologists (ICOI) Pisa Consensus Conference. Implant Dent 2008, 17 (1), 5-15. [3] Afshari, Z.; Yaghini, J.; Naseri, R., Levels of Smoking and Peri‑Implant Marginal Bone Loss: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Evid Based Dent Pract 2022, 22 (3), 101721. [4] Lin, C. Y.; Chen, Z.; Pan, W. L.; Wang, H. 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[12] Linkevicius, T.; Apse, P.; Grybauskas, S.; Puisys, A., The influence of soft tissue thickness on crestal bone changes around implants: a 1-year prospective controlled clinical trial. Int J Oral Maxillofac Implants 2009, 24 (4), 712-9. [13] Tomar, S.; Saxena, D.; Kaur, N., Marginal bone loss around implants with platform switching and platform matched connection: A systematic review. J Prosthet Dent 2023. [14] Pjetursson, B. E.; Sailer, I.; Latyshev, A.; Rabel, K.; Kohal, R. J.; Karasan, D., A systematic review and meta-analysis evaluating the survival, the failure, and the complication rates of veneered and monolithic all-ceramic implant-supported single crowns. Clin Oral Implants Res 2021, 32 Suppl 21 (Suppl 21), 254-288. [15] Sailer, I.; Feher, A.; Filser, F.; Gauckler, L. J.; Luthy, H.; Hammerle, C. H., Five-year clinical results of zirconia frameworks for posterior fixed partial dentures. Int J Prosthodont 2007, 20 (4), 383-8. [16] Sailer, I.; Makarov, N. A.; Thoma, D. 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Zentrum für Zahnmedizin Prof. Dr. Schnutenhaus MVZ GmbH Breiter Wasmen 10 78247 Hilzingen info@schnutenhaus.de Prof. Dr. Sigmar Schnutenhaus, MSc., MSc. Hat das Material von Suprakonstruktionen Einfluss auf die Überlebensrate von Implantaten? Prof. Dr. Sigmar Schnutenhaus, MSc., MSc. 13 | Wissenschaft logo 53 | das Camlog Partnermagazin
Das iSy Konzept – zwei Versionen für indikations- abhängige effiziente Behandlungskonzepte Das iSy Implantatsystem hat sich in den vergangenen dreizehn Jahren als verlässliche Lösung bewährt und richtet den Blick zugleich konsequent auf die Zukunft der dentalen Implantologie: die Digitalisierung. Es umfasst Bereiche wie das Praxismanagement, den Bestellaufwand, die chirurgischen Abläufe sowie die Lösungen der prothetischen Versorgung. Das iSy System mit vormontierter Implantatbasis ermöglicht eine standardisierte und ressourceneffiziente Implantattherapie, einschließlich transgingivaler Einheilung und zeichnet sich durch einen reduzierten operativen Aufwand infolge eines minimierten Bohrprotokolls sowie eines schlanken Komponentenportfolios aus. Die Systemarchitektur basiert auf etablierten Werkstoff- und Verbindungstechnologien und unterstützt das „One‑Abutment‑One‑Time“-Konzept, wodurch wiederholte Abutmentwechsel vermieden und potenzielle Beeinträchtigungen des periimplantären Hart- und Weichgewebes reduziert werden. Insgesamt trägt dies zu einer Rationalisierung des konventionellen wie auch des digitalen Therapieablaufs bei und ermöglicht reproduzierbare klinische Ergebnisse. In der Praxis von Prof. Dr. Sigmar Schnutenhaus MSc., MSc. wird das iSy Implantatsystem mit vormontierter Basis in einfachen Seitenzahnsituationen mit offener Einheilung ohne aufwändige Augmentation eingesetzt (Praxisfall 1). Praxisfall 1 – iSy Implantatsystem Formbohrung Gewindeschnitt Insertion mit Implantatbasis Offene Einheilung mittels aufgestecktem Gingivaformer Scan der Multifunktionskappe Digital gefertigte Hybridabutmentkrone auf ... ...CAD/CAM-Titanbasis mit okklusaler Verschraubung Radiologische Dokumentation zur Verifizierung der Knochenanlagerung Einzelzahnlücke regio 35 Markierung der Implantatposition nach krestaler Inzision Pilotbohrung Einpatienten-Formbohrer 14 | Wissenschaft logo 53 | das Camlog Partnermagazin
Ist die gedeckte Einheilung erforderlich, wird das iSy Implantat snap-in, verwendet (Praxisfall 2). Im Folgenden werden die Workflows exemplarisch dargestellt. Zu Beginn des Jahres 2024 wurde das iSy Implantatsystem um eine weitere Variante ergänzt, die speziell für Indikationen mit erforderlicher gedeckter Einheilung konzipiert ist: das iSy Implantat, snap‑in. Durch den integrierten, gesteckten Einbringpfosten bleibt die grundlegende Systemphilosophie auch in dieser Ausführung erhalten. Die Option der gedeckten Einheilung ermöglicht weitergehende Hartgewebeaugmentationen oder Weichgewebeaufbauten im Zusammenhang mit externem Sinuslift bei herausnehmPraxisfall 2 – iSy Implantatsystem Snap-in Ausgangssituation Einzelzahn- lücke regio 15 Markierung der Implantatposition nach Präparation eines Mukopersiostlappens Nach Pilotbohrung Implantatbett- aufbereitung mit Finalbohrer Direct-Pickup des Implantats aus der Verpackung Implantatinsertion Epikrestale Positionierung Eindrehen der Metallverschlussschraube Weichgewebeverschluss Weichgewebeausformung nach Freilegung Intraoralscan zur Fertigung der Versorgung Stabiles Weichgewebe zum Zeitpunkt der Eingliederung ... ...der definitiven Versorgung baren Interimszahnersatz. Die digitale Erfassung über einen intraoralen Scan kann mit dieser Version direkt von der Implantatschulter ohne zusätzliche Zwischenschritte durchgeführt werden. 15 | Wissenschaft logo 53 | das Camlog Partnermagazin
Klinische Empfehlungen zu Sofortkonzepten Ein Konsensusbericht der Oral Reconstruction Foundation » Im Januar 2025 trafen sich 69 Experten aus Wissenschaft und Klinik in Malaga (Spanien), um auf Basis von drei aktuellen Übersichtsarbeiten kombiniert mit ihrer eigenen klinischen Expertise, konsensbasierte Empfehlungen zu Indikationen, Limitationen und klinischen Protokollen von Sofortkonzepten für Einzelzahnversorgungen bis hin zu Vollbogenrestaurationen zu erarbeiten. Das Meeting wurde durch die Oral Reconstruction Foundation organisiert. Einleitung Mit zunehmender wissenschaftlicher Evidenz sowie durch Neuentwicklungen und moderne digitale Planungs- und Fertigungstechnologien werden Sofortimplantationen und Sofortversorgungen in der implantologischen Praxis bei geeigneter Indikationsstellung zunehmend häufiger angewendet. Der langfristige Erfolg dieser Sofortkonzepte setzt jedoch eine sorgfältige Planung und eine präzise klinische Umsetzung voraus, bei der zahlreiche Faktoren auf Ebene des Hart- und Weichgewebes, aber auch in der Wahl der Behandlungsschritte und der Komponenten beachtet werden müssen. Aktuelle Konsensusempfehlungen helfen bei der klinischen Entscheidungsfindung bei entsprechenden Indikationen, ohne eine eigene Literatursuche starten zu müssen. Für die Zusammenstellung solcher Empfehlungen beraten und diskutieren erfahrene und ausgewiesene Kliniker aus Praxen und Universitäten gemeinsam, basierend auf der aktuellen wissenschaftlichen Evidenz eines Themas. Grundlagen Im Januar 2025 trafen sich 69 Experten aus Wissenschaft und Klinik in Malaga (Spanien), um auf Basis von drei aktuellen Übersichtsarbeiten 1. zur Sofortimplantation und Sofortversorgung bei festsitzenden Einzel- und Mehrfachprothesen unter Berücksichtigung anatomischer, chirurgischer und prothetischer Faktoren, 2. zur Evidenz zu Sofortimplantation und Sofortver- sorgung bei Vollbogenrestaurationen sowie 3. zu aktuellen Überlegungen bei festsitzenden Vollbogenrestaurationen kombiniert mit ihrer eigenen klinischen Expertise, konsensbasierte Empfehlungen zu Indikationen, Limitationen und klinischen Protokollen von Sofortkonzepten für Einzelzahnversorgungen bis hin zu Vollbogenrestaurationen zu erarbeiten. Das Meeting wurde durch die Oral Reconstruction Foundation organisiert. 16 | Wissenschaft logo 53 | das Camlog Partnermagazin
Die abschließenden Empfehlungen wie auch die jeweiligen Übersichtsarbeiten wurden in einer Sonderausgabe mit Univ.-Prof. Dr. Irena Sailer als Erstautorin im International Journal of Prosthodontics publiziert. Nachfolgend sind ausgewählte, für den Erfolg bei Sofortimplantationen besonders relevante Faktoren zusammengefasst: Konsensusempfehlungen zu Sofortkonzepten Anatomische Verhältnisse: Pflicht von präoperativer Bildgebung mittels CBCT und optischen Scans für die Analyse des Alveolarfortsatzes und die exakte Planung der Implantatposition. Chirurgische Technik: Zur Reduktion des Traumas sollen – bei intakter bukkaler Lamelle – bevorzugt minimalinvasive Techniken, ohne Lappenbildung in Kombination mit geführten (guided) Protokollen, angewendet werden. Implantatpositionierung: Im Rahmen eines digitalen, geführten Workflows wird eine leicht palatinale Implantatposition mit einem bukkalen Abstand von ≥ 2 mm sowie einer apikalen Knochenhöhe von mindestens 3–5 mm zur Sicherstellung der Primärstabilität empfohlen. Augmentationen: Der bukkale Spalt sollte mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt werden. Zudem wird bei dünnem Gingivaphänotyp eine Weichgewebeaugmentation ausdrücklich empfohlen. Prothetische Versorgung: Verschraubte Versorgungen werden bevorzugt, idealerweise unter Anwendung von Platform-Switching Komponenten mit patientenindividuellem Emergenzprofil und Design. Für Vollbogenrestaurationen zeigen die Studien hohe Implantatüberlebens- und Erfolgsraten bei geringer Rate an Prothesenkomplikationen. Voraussetzung dafür sind eine sorgfältige Patientenselektion und eine strukturierte Behandlungsplanung. Die Experten waren sich einig, dass Knochenreduktionen möglichst vermieden werden sollten und der Zahnerhalt immer Vorrang vor einer Extraktion hat. Für festsitzende Vollprothesen werden mindestens vier Implantate pro Kiefer empfohlen. Jedoch gerade bei komplexen Vollbogenrestaurationen sind die evidenzbasierten klinischen Leitlinien nach wie vor begrenzt. Die aktuelle Datenlage verdeutlicht zudem, dass zukünftige Forschungsarbeiten sich mit den Evidenzlücken in den posterioren Regionen (Molaren) und bei Mehrfachprothesen befassen sollten, um die klinische Anwendbarkeit und Vorhersagbarkeit der sofortigen Implantatinsertion und -versorgung auch in diesen Indikationen weiter zu verbessern. Fazit Die Konsensusdiskussionen zeigten, dass die Sofortimplantation kein vereinfachtes, sondern ein biologisch und prothetisch hochsensibles Verfahren darstellt. Der langfristige Erfolg hängt wesentlich von einer präzisen Diagnostik, einer digital gestützten Planung, einem konsequenten Weichgewebemanagement und einer strengen Indikationsstellung ab. Eine sorgfältige Patientenselektion sowie hohe chirurgische und prothetische Expertise bleiben zentrale Voraussetzungen für erfolgreiche Sofortkonzepte. Referenzen [1] Sailer I, Sanz M, Cordaro L. ORF IEM 2025 Consensus Report on the Clinical Recommendations for Immediacy in Implant Dentistry: From Single-Unit Restorations to Full-Arch Implant Prostheses. Int J Prosthodont 2025;38(suppl):s1-s9. Hier geht´s zur Vollversion Referenzen [2] Dias D, Hermann F, Linares A, Blanco J, Araujo M. Immediate implant placement and restorations in single-unit and multiple unit FDPs: A scoping review of the current evidence, indications, and clinical protocols. Int J Prosthodont 2025;38(suppl):s11–s33. Referenzen [3] Heimes D, Kammerer PW, Beuer F, Pieralli S. Current evidence in immediate implant placement and restoration in full-arch situations: A narrative review. Int J Prosthodont 2025;38(suppl):s35–s50. [4] Polido WD, Le B. Current considerations for full-arch fixed rehabilitations: A narrative review. Int J Prosthodont 2025;38(suppl):s51–s56. 17 | Wissenschaft logo 53 | das Camlog Partnermagazin
» Der Verlust eines Frontzahns stellt für den Patienten eine nicht zu unterschätzende psychosoziale Belastung dar. Nicht nur das Aussehen verändert sich drastisch, sondern auch abbeißen, sprechen und lachen ist plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Das Selbstbewusstsein und somit auch die Lebensqualität schwinden – hier gilt es eine möglichst schnelle, schonende, funktionelle und gleichzeitig ästhetische Lösung anzustreben und diese mit dem Patienten und allen Behandlungspartnern zu besprechen. Unter Berücksichtigung aller Risikofaktoren bietet eine Sofortimplantation eine schnellere prothetische Rehabilitation. [1,2] Die Socket-Shield-Technik, die erstmals 2010 beschrieben wurde, ist ein Therapieansatz, um das periimplantäre Hart- und Weichgewebe langfristig zu erhalten und somit ein besseres ästhetisches Ergebnis zu erzielen [3]. Dr. Jörg-Martin Ruppin Die Sofortimplantation bietet die Möglichkeit durch den direkten Zugang zur Alveole ohne Lappenbildung zu implantieren. Bei korrekter Risikoanalyse hat dieser Ansatz Vorteile wie den Erhalt der Blutzufuhr, keine Narbenbildung, weniger Knochenresorption, weniger Schwellung und zusätzlich weniger Behandlungsschritte und schnellere Vorgehensweise. Allerdings müssen diese Vorteile gegen die Nachteile, die das Vorgehen birgt, sorgfältig abgewogen werden. Aufgrund der lappenfreien Chirurgie sind dies unter anderem schlechtere Sichtverhältnisse in Bezug auf apikale Läsionen und Fenestrierungen, gegebenenfalls ist Granulationsgewebe schwieriger zu entfernen. Eine Metaanalyse von Zhuag [4] kommt zu dem Ergebnis, dass beim lappenfreien Zugang das Risiko für Implantatversagen höher sein kann, insbesondere im Fall von Sofort- oder Frühbelastung. Nichtsdestotrotz führt diese Vorgehensweise zu einem verbesserten Knochenerhalt, wobei zu beachten ist, dass die bukkale Lamelle nicht überkonturiert werden kann. Erstvorstellung Eine 39-jährige Patientin stellte sich mit Mobilität im oberen rechten mittleren Schneidezahn vor, der vor mehr als zwei Jahrzehnten traumatisiert und mit einer Wurzelkanalbehandlung, einem Keramikstift und einer Krone versorgt worden war. Die Patientin hatte eine kieferorthopädische Behandlung hinter sich und trug einen festsitzenden Retainer. Die klinische und röntgenologische Untersuchung ergab eine ausgedehnte externe Resorption und eine Wurzelfraktur. Die Mundgesundheit war ansonsten ausgezeichnet, ohne Parodontitis, systemische Erkrankungen oder Raucheranamnese. Sofortversorgungskonzept Risiko oder vorhersagbar planbar? 18 | Praxisfall logo 53 | das Camlog Partnermagazin
1. Eine 39-jährige Patientin stellte sich mit einem akuten Problem des Frontzahns vor. Nach einem Trauma sei der Zahn vor mehr als zwanzig Jahren wurzelbehandelt und mit einer Krone versehen worden. Die klinische Untersuchung ergab eine ausgeprägte Mobilität des Zahns mit erhaltener Weichgewebestruktur bei ansonsten ausgezeichneter Mundgesundheit. 3. Bei der Implantatplanung - auf Basis einer DVT - wurde auf eine palatinal orientierte Positionierung geachtet. Da sich im Heilungsverlauf das Äquivalent einer biologischen Breite um ein Implantat etabliert, ist die Berücksichtigung dieser Paramater für die Langzeitstabilität der periimplantären Gewebe essenziell. 2. Das Röntgenbild bestätigte, dass der wurzelbehandelte Zahn mit einem Keramikstift aufgebaut worden war, zusätzlich war eine externe Resorption und Wurzelfraktur erkennbar. Die Patientin trug nach erfolgter kieferorthopädischer Behandlung einen festsitzenden Retainer zur Stabilisierung der erreichten Situation. 4. Durch die Einhaltung der Mindestabstände von 1.5 mm zwischen Implantat und Nachbarzahn kann trotz der biologischen Umbauprozesse des Knochens die knöcherne Unterstützung der Papillen erhalten werden. Aus der Implantatplanungssoftware heraus wurde eine Guideschablone mit Bohrhülse erstellt. Behandlungsplanung und Diagnose Da die Nachbarzähne 12 und 21 gesund und intakt waren, wünschte die Patientin eine Implantatversorgung als Ersatz für den frakturierten Frontzahn 11. Auf Basis einer DVTAufnahme erfolgte die präzise Diagnostik der Zahn- und Knochenstruktur und eine vollständige digitale Behandlungsplanung (coDiagnostiX®/Straumann). Aufgrund eines dünnen Biotyps mit mehreren Rezessionen an den Eckzähnen und Prämolaren, einem stark skallopierenden Gingivaverlauf in Kombination mit einer sehr dünnen bukkalen Knochenlamelle und einem erhöhten Rezessionsrisiko des Hart- und Weichgewebes nach der Extraktion, wurde der Fall als hochriskant für eine Sofortimplantation eingestuft. Da vestibulär nur noch eine hauchdünne Knochenlamelle vorhanden war, wurde die Entscheidung zur Sofortimplantation unter Verwendung der Socket-Shield-Technik getroffen. Diese Technik wurde 2010 erstmals als chirurgisches Verfahren beschrieben [5], um mit dem im Kieferknochen verbleibenden ausgedünnten Wurzelrest den Bundle-Bone, die Blutzufuhr und das umgebende Weichgewebe zu erhalten beziehungsweise zu stabilisieren. In den Vergangenen Jahren wurde die Socket-Shield-Technik mehrfach modifiziert. So verbleibt heute ein deutlich längerer Wurzelanteil im Alveolenfach, der bei intakter fazialer Lamelle bis auf Knochenniveau gekürzt wird. Das Implantat wird mit Abstand – leicht nach palatinal orientiert – dahinter inseriert. [6,7] 19 | Praxisfall logo 53 | das Camlog Partnermagazin
7. Die partielle Extraktionstherapie der Socket-Shield-Technik ermöglicht durch das Ausdünnen der bukkofazialen Zahnstruktur den Erhalt der fazialen Alveolenwand, um den Kollaps der Hart- und Weichgewebestrukturen zu verhindern (Abb. aus Schwimer CW. et al) [8]. Ziel der modifizierten Technik ist es, das Wurzelschild möglichst bis in den apikalen Bereich zu erhalten. 8. Der korrekte Sitz der Guideschablone wurde über die inzisalen Fenster in der Schablone überprüft. Die exakte Positionierung der Implantatinnengeometrie ist bei Verwendung abgewinkelter Abutments unabdingbar. Entsprechend des Unterpräparation-Protokolls erfolgte die Aufbereitung für das CAMLOG PROGRESSIVE-LINE (Ø 4.3 mm / L 13 mm) Implantat. 9. Das CAMLOG PROGRESSIVE-LINE Implantat wurde vollgeführt mit einem Drehmoment von 45 Ncm inseriert. Die erreichte Primärstabilität wurde mittels Resonanzfrequenzanaylse durch einen ISQ-Wert von 68/70 bestätigt – ein zuverlässigerer Indikator als das Insertionsdrehmoment allein, insbesondere bei Sofortimplantationen mit begrenztem apikalem Knochenkontakt. 10. Autologe Knochenchips – während des Bohrens gesammelt – wurden zum Füllen des Raums zwischen Implantat und Wurzelschild verwendet [9]. Eine provisorische Kunststoffkrone, verklebt auf einer Titanbasis CAD/CAM free, wurde außer Okklusion und Funktion eingesetzt. Sie diente als Wundverschluss und stabilisierte das Augmentat und die Weichgewebemanschette. 6. Anschließend wurde die Wurzel entlang der Längsachse geteilt und das faziale Fragment zur Unterstützung der Knochenlamelle ausgedünnt. Der palatinale Wurzelanteil wurde nochmals segmentiert und die Wurzelreste entfernt. Das Shield wurde bis auf Knochenniveau gekürzt und das Alveolenfach sorgfältig kürettiert und gespült [6]. 5. Um die Resorption der dünnen fazialen Knochenlamelle zu vermeiden, die bei der Extraktion durch das Zerstören des Faserapparats zum Volumenverlust sowohl der Hart- als auch der Weichgewebe führt, kam die Socket-Shield-Technik für die folgende Sofortimplantation zur Anwendung. Die Keramikkrone und der Keramikstift wurden unter Lokalanästhesie entfernt. 20 | Praxisfall logo 53 | das Camlog Partnermagazin
11. Sechs Monate nach dem chirurgischen Eingriff zeigte sich klinisch ein gesundes, stabiles Zahnfleisch und das perfekte Profil der juga alveolaria in regio 11. Die Papillenausformung wird von den approximal erhaltenen Knochenspitzen unterstützt. Eine ISQ-Messung ergab einen Anstieg auf einen Wert von 78/78 und bestätigte die erfolgreiche Osseointegration. 12. Das anatomisch ausgeformte periimplantäre Weichgewebe wurde digital erfasst und mit den Daten aus der Planung überlagert, um die definitive Hybridabutmentkrone zu erstellen. Essenziell für den langzeitstabilen Erfolg ist hierbei die submuköse Gestaltung der Restauration im Sinne des Esthetic-Biological-Contour Concepts (EBC-Konzept.) [10]. 13. Der abgewinkelte Schraubenzugangskanal der CAMLOG Titanbasis CAD/CAM free wurde im digitalen Verfahren angelegt und eine anatomisch reduzierte Krone designt. Diese wurde mittels CAM-Technologie gefräst und die labiale Fläche im Labor individuell mit entsprechenden Zirkonmassen geschichtet, um eine perfekte Ästhetik und Transluzenz zu erzielen. 14. Die finale Zirkonkrone wurde nach der Einprobe extraoral verklebt, der Kleberüberschuss nach dem Aushärten akribisch entfernt und der Übergang von Krone zum Abutment sorgfältig poliert und gesäubert. Ein wichtiger Arbeitsschritt zur Vermeidung von periimplantären Irritationen. Die submuköse Ausformung schafft Raum für eine stabile Weichgewebemanschette. 15. Die definitive Hybridabutmentkrone wurde eingesetzt und mit der Drehmomentratsche und einem speziellen Ballpoint-Schraubendreher mit 20 Ncm festgeschraubt. Nach fünf Minuten wurde die Schraube nachgezogen und der Schraubenzugang mit Teflonband und Komposit verschlossen. 16. Die seitliche Ansicht zeigt den Erhalt der periimplantären Hart- und Weichgewebe und bestätigt den Erfolg des Sofortversorgungskonzepts mit dem chirurgischen Ansatz der Socket-Shield-Technik zum Erhalt der dünnen fazialen Knochenlamelle. 21 | Praxisfall logo 53 | das Camlog Partnermagazin
17. Das Kontrollröntgenbild zeigt die stabilen Knochenverhältnisse und die Osseointegration. In der DVT-Aufnahme werden die intakte faziale Knochenlamelle bestätigt, ebenso wie das dünne, präparierte Wurzelschild, das durch die Fasern mit der Knochenlamelle in Verbindung ist. 18. Bei leicht geöffneten Lippen zeigte sich die perfekte Kronenkontur. Sie fügt sich harmonisch in das Gesamterscheinungsbild ein. Die Patientin freute sich über das Endergebnis und war mit dem Verlauf der Behandlung sehr zufrieden. Als sofortige temporäre Versorgung wurde eine CAD/CAMgefräste Acrylkrone auf einer CAMLOG Titanbasis CAD/CAM free geplant. Die Titanbasis CAD/CAM free ermöglicht eine Verschraubung der Hybridabutmentkrone von palatinal und ist bei Implantaten, die aufgrund der anatomischen Kieferkammstruktur schräg inseriert werden müssen, vorteilhaft. Durch das „Verstecken“ des Schraubenzugangkanals bietet das Abutment eine verbesserte Ästhetik und ermöglicht die Realisierung des Konzepts einer direkt verschraubten Versorgung womit einer zementinduzierten Periimplantitis vorgebeugt werden kann. Diskussion Die Wahl des CAMLOG PROGRESSIVE-LINE Implantats bot die für eine erfolgreiche Sofortversorgung erforderliche hohe Primärstabilität. Die Eigenschaften des Implantats eignen sich sehr gut für weichen Knochen oder begrenzte Restknochenhöhe (gleichzeitige Implantation bei Sinuslift mit reduzierter Knochenhöhe) sowie für die Sofortimplantation. Neben dem Implantatdesign beeinflussen der Implantationszeitpunkt, die Alveolentopographie, der vorliegende Biotyp, die Patientencompliance und die Positionierung des Implantats den Erfolg der Versorgung. Die Socket-Shield-Technik ermöglichte die Erhaltung des bukkalen Alveolarknochens und der Weichgewebearchitektur, selbst in einer ästhetisch risikoreichen Zone. Die Indikation für die Socket-Shield-Technik sind vertikale Frakturen und ein nicht versorgungsfähiger Zahn, der eine Extraktion unabdingbar zur Folge hat. Im Fokus des Therapieansatzes steht die Erhaltung der fazialen Lamelle und des Kieferkamms, um einen Gewebekollaps zu verhindern. Das Schild wird vertikal bis auf Knochenniveau gekürzt und darauf geachtet, dass es keine scharfen Kanten aufweist, die die Freilegung des Schildes durch das Weichgewebe initiieren könnte. Die Technik ist kontraindiziert, wenn Resorptionen der fazialen Knochenlamelle oder eine Parodontitis vorliegen. Die Verwendung einer Titanbasis CAD/CAM free ließ trotz anatomisch bedingter schräger Implantatpositionierung eine von palatinal verschraubte provisorische Versorgung zu und gewährte damit prothetische Flexibilität. Darüber hinaus bot die Resonanzfrequenzanalyse (ISQ) – eine nicht-invasive, objektive Methode zur Beurteilung der Implantatstabilität – bei der Implantation und im weiteren Heilungsprozess, eine Sicherheit für das Sofortbelastungskonzept und lieferte wertvolle Erkenntnisse während der Einheilphase. Fazit Dieser Fall zeigt, dass selbst ein risikoreicher Sofortversorgungsfall durch eine präzise digitale Planung, der vollständig geführten Chirurgie, mit ISQ-Messungen und der Socket-Shield-Technik sicher behandelbar ist und dank des Makrodesigns des CAMLOG PROGRESSIVE-LINE Implantats vorhersagbare funktionelle und ästhetische Ergebnisse erzielt werden können. Darüber hinaus wird deutlich, wie sorgfältige Planung und moderne Techniken die Grenzen der Sofortimplantation erweitern, ohne den langfristigen Erfolg zu beeinträchtigen. 22 | Praxisfall logo 53 | das Camlog Partnermagazin
Join the conversation. voices-of-implantology.com Die Relevanz der Sofortimplantation in der oralchirurgischen Praxis Dr. Jörg-Martin Ruppin Referenzen [5] Hürzeler MB, Zuhr O, Schupbach P, Rebele SF, Emmanouilidis N, Fickl S. The socket-shield technique: a proof-of-principle report. J Clin Periodontol 2010;37:855–862. [6] Gluckman H, Du Toit J, Salama M, Nagy K, Dard M. A decade of the socket-shield technique: a step-by-step partial extraction therapy protocol. Int J Esthet Dent. 2020;15(2):212-225. [7] Gharpure AS, Bhatavadekar NB. Current Evidence on the Socket-Shield Technique: A Systematic Review. J OralImplantol. 2017 Oct;43(5):395-403. [8] Schwimer, Charles W., et al. “The socket-shield technique at molar sites: A roof-of-principle technique report.” The Journal of prosthetic dentistry 121.2 (2019): 229-233. [9] Noelken R, Moergel M, Kunkel M, Wagner W: Immediate and flapless implant insertion and provisionalization using autogenous bone grafts in the esthetic zone: 5-year results. Clin Oral Implants Res. 2018; 29 (3): 320-327. [10] Gomez-Meda R, Esquivel J, Blatz MB. The esthetic biological contour concept for implant restoration emergence profile design. J Esthet Restor Dent. 2021;1–12. Referenzen [1] Nkenke E, Schliephake H: Sofortbelastung und Sofortversorgung von Implantaten: Indikationen und Überlebensraten. zzi Z Zahnärztl Impl 2009; 25 (2). [2] S2k-Leitlinie Implantationszeitpunkt vom Juli 2023 Registernummer 083 -040. [3] Staehler P, Abraha SM, Bastos J, Zuhr O, Hürzeler M. The socket-shield technique: a step-by-step protocol after 12 years of experience. Int J Esthet Dent. 2020;15(3):288-305. [4]Zhuang J, Zhao D, Wu Y, Xu C; Evaluation of Outcomes of Dental Implants Inserted by Flaplessor Flapped Procedure: A Meta-Analysis Implant Dent. 2018 Oct;27(5):588-598. Implantat-Zentrum Dr. Ruppin & Kollegen Bichler Straße 17 82377 Penzberg dr.ruppin@implantatzentrumpenzberg.de Dr. Jörg-Martin Ruppin 23 | Praxisfall logo 53 | das Camlog Partnermagazin
» Die rasante Entwicklung digitaler Technologien hat die implantologische Behandlungsplanung und -durchführung in den letzten Jahren grundlegend verändert. Insbesondere die Kombination aus digitaler Diagnostik, virtueller Planung und CAD/CAM-basierter Umsetzung ermöglicht heute ein präzises, zeiteffizientes und reproduzierbares Vorgehen. Ziel des volldigitalen Workflows ist die nahtlose Integration aller Behandlungsschritte – von der Datenerfassung über die chirurgische Planung bis hin zur prothetischen Versorgung – ohne analoge Zwischenschritte. Der folgende Fallbericht zeigt exemplarisch die Möglichkeiten der Sofortimplantation und Sofortversorgung [1] im Oberkiefer unter Einsatz eines vollständig digitalen Workflows – von der initialen Diagnostik über die navigierte Chirurgie bis hin zur CAD/CAM-basierten definitiven Suprakonstruktion. Dr. Jan Spieckermann Durch die Nutzung digitaler Volumendaten (DVT), intraoraler Scans und 3D-Gesichtserfassung entsteht ein umfassendes virtuelles Patientenmodell, das eine präzise funktionelle und ästhetische Planung erlaubt. Der Behandler profitiert von einer höheren Vorhersagbarkeit und minimalinvasiven Umsetzung, während der Patient eine verkürzte Behandlungszeit, geringere Belastung und eine ästhetisch sofort befriedigende Lösung erfährt. Ein wesentlicher Bestandteil moderner digitaler Workflows ist die intraorale Photogrammetrie, ein hochpräzises, optisches Messverfahren zur digitalen Positionsbestimmung von Implantaten. Im Unterschied zu konventionellen Scans oder physischen Abformungen nutzt die Photogrammetrie die triangulative Berechnung von Referenzpunkten (High Accuracy Scan Bodies, HACS) auf den Abutments. Dadurch lassen sich die dreidimensionalen Implantatkoordinaten mit einer Genauigkeit im Mikrometerbereich erfassen. Im Vergleich zu herkömmlichen intraoralen Scans bietet dieses Verfahren eine signifikant höhere Präzision bei der Positionsübertragung mehrerer Implantate – insbesondere bei ausgedehnten, festsitzenden Versorgungen. Gleichzeitig entfällt die Notwendigkeit der intraoralen Verblockung, was den klinischen Ablauf vereinfacht und den Patientenkomfort erhöht. Kosago et al. verglichen die Genauigkeit zwischen herkömmlichen offenen Abformungen mit Schiene, intraoralen Scans (d. h. mit mehreren intraoralen Scansystemen) und Photogrammetrie. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Photogrammetrie bei Abformungen für Implantate im unbezahnten Kiefer eine höhere Genauigkeit und Präzision aufweist als alle digitalen oder herkömmlichen Abdrucktechniken [2]. Auch eine systematische Übersichtsarbeit verglich herkömmliche Abformungen, intraorale Scans und Photogrammetrie und kam zu dem Schluss, dass die Photogrammetrie in puncto Genauigkeit der Komplettkiefer-Implantatabformung überlegen ist [3]. Klinische Ausgangssituation Die 73-jährige Patientin litt unter einer insuffizienten Oberkieferbezahnung. Ihre bestehende herausnehmbare, stegverankerte Prothese war nach Fraktur eines tragenden Pfeilers funktionslos geworden. Aufgrund der schlechten Prognose der verbliebenen Zähne wurde die vollständige Extraktion des Oberkiefers durch den überweisenden Zahnarzt lange vor Beginn der Implantattherapie durchgeführt. Die Patientin äußerte den klaren Wunsch nach einer festsitzenden prothetischen Lösung mit verbesserter Funktion, Stabilität und Ästhetik. Ihre Anamnese war unauffällig, ohne systemische Erkrankungen, so lag keine Kontraindikation für die Implantattherapie vor. Sofortimplantation mit Sofortversorgung im volldigitalen Workflow 24 | Praxisfall logo 53 | das Camlog Partnermagazin
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